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Urologisches Zentrum

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Erektile Dysfunktion

Die erektile Dysfunktion des Mannes kann verschiedene Ursachen haben.
Die moderne Medizin stellt den Patienten verschiedene medikamentöse und technische Möglichkeiten zur Verfügung, um eine befriedigende Erektion zu erreichen.
In diesem Skript möchten wir Ihnen einen allgemeinen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten geben, der eine Grundlage für ein Gespräch mit Ihrem Arzt über die erektile Dysfunktion sein sollte. Um die für Sie geeignete Methode auszuwählen, ist eine ärztliche Beratung unerlässlich, die Auswahl hängt von der Ursache der Störung in Ihrem persönlichen Fall, aber auch Ihrer Einstellung zu der Problematik ab und muss eine von Ihnen persönlich getroffene Entscheidung sein. In diese Entscheidung sollten Sie auch Ihre Partnerin einbeziehen.

Erektile Dysfunktion: Einige grundlegende Überlegungen
Die erektile Dysfunktion ist sehr häufig, man schätzt, dass 1 von 10 Männern betroffen ist. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Erektionsstörungen bei Männern über 40 Jahren zwischen 30 und 50 % vorkommen.
Nach der Definition der DGU beschreibt die erektile Dysfunktion ein chronisches Krankheitsbild von mindestens 6-monatiger Dauer, bei dem mindestens 70 % der Versuche, einen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, erfolglos sind.

Erektile Dysfunktion: Ursachen
Zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen gelegentlich auftretenden Einschränkungen der Erektion und behandlungsbedürftigen Formen. Stress und Anspannung, aber auch Müdigkeit oder Unsicherheit können akut zu einer Erektionsstörung führen. Auch bei akuten Erkrankungen kann es zu einer vorübergehenden Einschränkung der Erektion kommen. In der Regel werden diese vorübergehenden Formen nicht zu einem anhaltenden Problem. Es kann sich jedoch in der Partnerschaft eine Versagensangst, die auch in den folgenden Begegnungen wiederum dem Teufelskreislauf von Anspannung und Stress auslöst und sich somit verselbständigt.
Bei anhaltenden Störungen handelt es sich jedoch in ca. 70 % der Fälle um körperliche Ursachen.
Durch die sich parallel entwickelnde psychische Belastung kann es zu einer gegenseitigen Verstärkung des Problems kommen.
Zu den Risikofaktoren für körperlich bedingte erektile n Dysfunktion en gehören Gefässveränderungen durch Rauchen, Diabetes mellitus, hohe Fettstoffwechselwerte aber auch postoperative Zustände, bei denen die Nervenversorgung vorübergehend oder anhaltend gestört bzw. zerstört wurde. Alkohol- und Drogenmissbrauch und bestimmte Medikamente sowie chronische Krankheiten der Leber und Niere können ebenfalls die Ursache sein. Auch chronische Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Multiple Sklerose sind mögliche Ursachen.

Erektile Dysfunktion: Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten
In Frage kommende medikamentöse Therapie in Tabletten- oder Spritzenform, transurethrale Therapien, Hormonbehandlungen und auf mehr technischer Seite Vakuumpumpen und chirurgische Eingriffe wie Penisprothesen.

Erektile Dysfunktion: Hormontherapie
Da bei nur wenigen Patienten als Ursache der Erektionsstörung eine hormonelle Störung, z. B. ein Testosteronmangel vorliegt, ist die Grundvoraussetzung eine sichere Feststellung dieses Hormonmangels und dann die entsprechende Verschreibung durch den Arzt.

Erektile Dysfunktion: Medikamente in Tablettenform
1. Phosphodiesterasehemmer
Hierzu gehören die Substanzen Sildenafil, Tadalafil und Vardenfil. Am bekanntesten ist Sildenafil unter dem Namen Viagra.
Der Wirkmechanismus dieser 3 Medikamente besteht in einer Erweiterung der Blutgefäße, so dass mehr Blut in den Penis einströmt und somit die Erektion fester wird. Die Wirkung von Sildenafil und Vardenafil hält ca. 6 - 8 Std. an, die Wirkdauer von Tadalafil beträgt bis zu 36 Std., die Einnahme sollte ca. 30 - 60 Min. vor dem gewünschten Geschlechtsverkehr stattfinden. Eine Grundvoraussetzung ist jedoch die gleichzeitige sexuelle Stimulation. Wichtig ist deshalb die geeignete Atmosphäre und ein gelöster Umgang mit der Partnerin, um eine psychisch bedingte Verhinderung der Erektion zu vermeiden.
Die Nebenwirkungen dieser Medikamente beruhen auf dem gleichen Mechanismus wie die Wirkung, nämlich in einer vermehrten Durchblutung, die sich im Bereich des Kopfes in eine Gesichtsröte oder auch Kopfschmerzen ausprägen kann, seltener tritt Schwindel auf. Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße sollten Medikamente dieser Gruppe nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Eine Kombination mit die Herzkranzgefäße erweiternden sogenannten Nitraten ist unbedingt zu vermeiden.
Des weiteren sollten Patienten, die kürzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben, an einem niedrigen Blutdruck leiden oder an einer selten Erkrankungen des Augenhintergrundes (Retinitis pigmentosa) diese Medikamente nicht einnehmen.
Patienten mit Grunderkrankungen, die zu verlängerten Erektionen führen können, wie z. B. Sichelzellanämie, Plasmozytom oder Leukämie, sollten Sildenafil und verwandte Substanzen ebenfalls nicht einnehmen, gleiches gilt für Patienten mit einer erhöhten Blutungsneigung im Rahmen einer Hämophilie.
Sildenafil und vergleichbare Substanzen sind verschreibungspflichtig, werden jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

2. Apomorphin
Apomorphin als sogenannter Dopaminrezeptoragonist wirkt im Gehirn. Die Tabletten werden unter die Zunge gelegt, wo sie sich auflösen. Im Gehirn führt der zentrale Mechanismus zu einer verstärkten Signalübermittlung an den Penis und verstärkt dadurch eine natürliche Erektion. Auch mit diesem Medikament ist eine sexuelle Stimulation Grundvoraussetzung.
Mögliche Nebenwirkungen sind bei der empfohlenen Dosierung selten und bestehen aus Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelerscheinungen, noch seltener Benommenheit, Husten, Geschmacksstörungen und Schwitzen. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einem Blutdruckabfall mit kurzer Ohnmacht.
Patienten mit schwerer instabiler Angina pectoris oder kurz nach einem Herzinfarkt, Neigung zu niedrigem Blutdruck sollten Apomorphin nicht einnehmen. Bei einer Therapie mit Nitraten zur Erweiterung der Herzkranzgefäße sollte die 1. Einnahme vorsichtig erfolgen, ist jedoch keine absolute Kontraindikation.
Apomorphinpräparate stehen derzeit in Deutschland nicht zur Verfügung.

Erektile Dysfunktion: Transurethrale Therapie
Mit einem speziellen Applikator wird der Wirkstoff Alprostadil (Prostaglandin E1) in die Harnröhre eingeführt. Diese Substanz ist an der natürlichen Erektion beteiligt. Sie bewirkt eine Erweiterung der zuführenden Blutgefäße und damit eine Zunahme des Bluteinstroms in den Penis.
Vor der Anwendung sollten Sie die Harnblase entleeren. Nach Abnahme der Schutzkappe vom Applikator wird dieser vorsichtig in die Harnröhre eingeführt und dann ein Auslöseknopf betätigt, wodurch der Wirkstoff in Form eines kleinen Pellets in die Harnröhre freigesetzt wird. Die Grundsubstanz des Pellets löst sich auf, so dass die Prostaglandin-Verbindung wirksam werden kann. Im Anschluss muss der Penis ca. 20 Sek. massiert werden. Eine normale Erektion bildet sich innerhalb von 5 - 15 Min. aus und hält ca. 30 - 60 Min. an.
Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen im Bereich des Penis, Brennen in der Harnröhre, Schmerzen im Hodenbereich oder auch Kopfschmerzen, seltener Schwellungen in den Beinen oder Schmerzen im Dammbereich. Ebenfalls selten kommt es zu Schwindel und Blutdruckabfällen. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer verlängerten Erektion oder zu einem Priapismus (schmerzhafte, länger als 3 Std. anhaltende Erektion). In diesen Fällen muss umgehend ein Spezialist aufgesucht werden.
Durch den hohen Prostaglandin-Spiegel in der Samenflüssigkeit kann es bei der Partnerin zu Juckreiz in der Scheide kommen, Paare, bei denen die Partnerin schwanger ist, sollten bei der Anwendung ein Kondom benutzen.
Diese Therapieform sollte nicht bei Penis- oder Harnröhrenveränderungen oder bei Erkrankungen, die zu verlängerten Erektionen neigen (Sicherlzellanämie, Plasmozytom oder Leukämie) angewandt werden.
Zu beachten ist, dass die Zäpfchen im Kühlschrank aufbewahrt werden sollten und vor Gebrauch auf Zimmertemperatur gebracht werden sollten. Bei Raumtemperatur sind sie 2 Wochen haltbar, bei Temperaturen über 30° verlieren sie ihre Wirksamkeit.
Diese Therapie ist verschreibungspflichtig, die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen.
Wirkstoffmengen:
MUSE® ist in Dosierung von 125, 250, 500 und 1000 µg erhältlich. In der Regel wird mit einer Dosierung von 500 µg begonnen.
Schwellkörperinjektionstherapie (SKAT = Schwellkörper-Autoinjektionstherapie)
Zur Behandlung stehen verschiedene Substanzen und Substanzgemische zur Verfügung, außerdem gibt es verschiedene Spritzensysteme, Spritzenautomaten und Spezialnadeln, um eine Injektion weitgehend schmerzlos durchzuführen. Wichtig ist, dass Sie diese Injektion unter Anleitung erlernen und auch die für Sie richtige Dosierung ermitteln.
Zum Einsatz kommen Substanzen, die zu einer Erweiterung der Blutgefäße des Penis führen, um so den Bluteinstrom in den Schwellkörper zu steigern. Die am häufigsten eingesetzte Substanz ist Alprostadil (s.o.).
Ca. 15 Min. nach Injektion kommt es zu einer vollständigen Erektion, so dass ein normaler Geschlechtsverkehr möglich ist. Die Erektion hält in der Regel 1 Std. an.
Zu den Nebenwirkungen und möglichen Komplikationen s.o. Außerdem kam es zu Blutergüssen (Hämatomen) und bindegewebigen (fibrotischen) Veränderungen kommen.

Erektile Dysfunktion: Vakuumerektionshilfen:
Die Vakuumpumpe besteht aus einem Kunststoffzylinder, an dessen Ende sich eine Pumpe befindet, mit der ein kontrollierter Unterdruck erzeugt wird. Der Zylinder wird mit seiner offenen Seite über den Penis bis zur Penisbasis gebracht. Durch Gleitcreme und leichtem Druck wird ein luftdichter Abschluss erreicht. Anschließend wird ein kontrollierter, anhaltender Unterdruck erzeugt, durch den der Bluteinstrom in den Schwellkörper ausgelöst wird. Um anschließend einen Blutabstrom aus den Schwellkörpern zu verhindern, wird ein Spannungsring um die Penisbasis gelegt. Entscheidend ist hier, individuell die richtige Stärke und den richtigen Durchmesser zu ermitteln.
Die Vakuumpumpe kann bei jeder Form der erektilen Dysfunktion eingesetzt werden. Sie ist nahezu frei von Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung. Bei zu schneller Erzeugung des Unterdruckes kann es zu Schmerzen im Penisbereich kommen. Der Spannungsring sollte nicht länger als 30 Min. liegen bleiben. Wichtig ist zu wissen, dass die Zeit bis zur vollständigen Versteifung des Penis von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann.
Wichtig ist die Akzeptanz dieses Verfahrens durch die Partnerin.

Erektile Dysfunktion: Penisimplantate:
Hierbei handelt es sich um feste oder auffüllbare Zylinder, die in die beiden Schwellkörper des Penis durch einen kleinen chirurgischen Eingriff eingebracht werden. Auffüllbare Systeme haben zusätzlich eine Pumpe, die in den Hodensack eingebracht wird, sowie einen Flüssigkeitsbehälter, der im unteren Bauchraum implantiert wird.
Bei festen Implantaten ist das Glied dauerhaft versteift und kann für eine Erektion nach oben gebogen werden. Bei auffüllbaren Implantaten wird am ehesten eine normale Erektion nachgeahmt. Diese Therapie kommt vor allen Dingen in Frage, wenn das Schwellkörpergewebe zerstört ist und nicht mehr auf Medikamente anspricht.
Die Operation dauert in der Regel weniger als 1 Std., bei auffüllbaren Systemen ist ein Krankenhausaufenthalt von 5 - 7 Tagen notwendig.
Die Operation sollte nur von hierfür erfahrenen Urologen durchgeführt werden.
Penisimplantate sind unbegrenzt haltbar, wenn keine technischen Defekte, Infektionen oder Wanderungen des Implantates auftreten. In diesen Fällen kann die gesamte Prothese oder defekte Einzelteile ausgetauscht werden.
Etwa 6 Wochen nach der Operation ist das Implantat in der Regel eingeheilt und kann benutzt werden. In den ersten 6 Wochen müssen auffüllbare Penisimplantate täglich befüllt und entleert werden.
Es kann bis zum ersten Orgasmus 1 Jahr dauern.
Die Erektion durch ein Penisimplantat kann beliebig lange aufrecht erhalten werden. Nach dem Geschlechtsverkehr strömt nach Betätigen eines Ablassventils die Flüssigkeit aus den Zylindern in das Reservoir zurück.
Ein auffüllbares Penisimplantat ist von außen optisch nicht zu erkennen.